Das Bild zeigt meinen verstorbenen Göttergatten und mich im Jahr 2018. Anderthalb Jahre nach seiner vernichtenden Diagnose hat er sich gewünscht, einmal durch Marokko zu reisen. Ich habe damals alles daran gesetzt, ihm trotz starker Medikamente und Therapien diese Reise zu ermöglichen. Es waren für mich gefühlt 10 Tage Dauerstress, Angst und eine Ablehnung gegen dieses Land, wie ich es selten gegen ein Land hatte. Mir war dort alles zuviel. Die Menschen, die Farben, die Gerüche und zu allem Überfluss hat mich damals im Flugzeug auf dem Weg dorhin ein Virus erwischt, das mich husten und schneuzen liess, dass die Riadwände wackelten. Wir sind letztlich auch eher abgereist als geplant, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.
Wenn ihr auf meinem Blog zurück in den April 2018 geht, findet ihr die Beiträge, die ich damals auf der Reise verfasst habe. Mehr als einmal habe ich darin geschrieben, dass ich im Leben nie mehr in dieses Land reisen würde.
Soviel zur Vorgeschichte.
Und dann hat mich im letzten Jahr doch tatsächlich irgendwas gestochen und hat mich in einer weiteren Form der Hyperaktion von einem lieben Freund eine Marrakesch-Reise mit meinen Girls organisieren lassen. Ich war überzeugt davon, dass ich es schaffen würde, zumindest die Stadt Marrakesch jetzt in einem anderen Licht sehen zu können. Vermutlich hat mich der innere Teufel geritten, der mich immer wieder dazu bringt, meine persönlichen Grenzen sprengen zu wollen.
Was soll ich sagen? Ich hätte heute fliegen sollen.
Und wo bin ich? Zu Hause.
Meine Girls sind mit meinem Freund und Reiseführer ohne mich geflogen.
Ich habe für mich den Stecker ziehen müssen!
Ich wollte packen, aber es ging nicht. Heulkrämpfe haben mich durchgeschüttelt und alle Bilder von der Reise damals waren wieder da. Zumal wir damals dachten, dass es die letzte Reise für meinen Göttergatten sein würde.
Ich stand vor ein paar Tagen vor meinem leeren Koffer und genauso leer fühlte sich meine Seele an. Da war nichts, ausser totaler Verzweiflung. Und: Diesmal hat mich das Virus zu Hause schon erwischt – innerhalb kürzester Zeit zum zweiten mal.
Ich stand heulend in meinem Haus und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Alles in mir sträubte sich gegen den Gedanken, meine Sachen einzupacken, um in dieses verhasste Land zu fliegen. Und weil die sozialen Medien bekanntlich mithören, hat es mir auf meinen Kanälen netterweise alle Fotos von damals vorgeschlagen. Diese Erinnerungen, die so sehr schmerzen.
Sollte ich mich dieser riesigen Challenge tatsächlich wieder stellen und eine weitere Grenze sprengen? Wem zum Teufel will ich etwas beweisen? Warum tue ich immer wieder Dinge, die mich derart überfordern?
Und dann ging alles ganz schnell. Ich habe für mich entschieden: Nein, diese Grenze ist zu krass! Diese Hürde ist zu hoch! Fertig mit dieser verflixten Challenge, alles schaffen zu wollen, nur um mir zu beweisen, wie verdammt stark ich bin.
Ich habe meinen lieben Freunden mitgeteilt, dass ich die Reise nicht werde antreten können. Und ich hatte dabei ein sauschlechtes Gewissen. Schliesslich war ich es, die alles angerissen hatte. Aber: Sie haben es verstanden!
An dieser Stelle ein grosses DANKE an Manu, Gaby, Carmen, Sandra und Oli, dass ihr mich nicht unter Druck gesetzt und es einfach angenommen und verstanden habt.
So, und nun sitze ich – anstatt im Flieger nach Marrakesch – in meiner Küche bei einer Tasse Kaffee und tippe diesen Beitrag. Und ich stehe dabei neben mir, schüttle den Kopf, gucke mich vorwurfsvoll an und sage zu mir: „Warum nur versuchst Du immer wieder, Dir und der Welt zu beweisen, dass Du alles schaffst?“
Ich muss nicht alles schaffen und ich darf auch mal einfach einbrechen und gerade keine Lösung haben für den Zustand, in dem ich mich gerade befinde. Ich darf mir Zeit geben und darf auch einfach einmal ratlos vor meinem eigenen Berg Fragezeichen stehen, ohne gleich Antworten darauf zu haben. Meine Liebsten helfen mir immer aufs Neue, diese Berge von der Strasse zu räumen und die Sicht aufs Leben wieder zu bekommen.
Leute, es ist bedeutend einfacher, anderen zu helfen, als sich selbst! Diese Erkenntnis ist gerade sowas von KLAR. Wenn ich sonst manchmal gefühlt nicht lernfähig sein will, so habe ich doch zumindest diese Erkenntnis mehr als eindeutig gewonnen.
Happy Reise, meinen liebsten Freunden.
