– Morgens vor dem ersten Kaffee schon vollgeqasselt werden, ist dir ein Graus?
– Blusen, die sich statisch aufladen und an dir kleben, nerven dich gewaltig?
– Beim Mittagessen ungefragt Sauce über die Pommes zu bekommen, findest du eklig?
– Beim Business-Lunch sprechen alle durcheinander und der Lärmpegel geht dir auf den Senkel?
– Im Zoom-Call ist das Netz instabil und das Bild friert immer wieder ein – das nervt dich dermassen, dass du aus der Haut fahren könntest?
– Dein Gegenüber lässt dich nie ausreden und du hast das dringende Bedürfnis, auf den Tisch zu hauen und STOPP zu schreien?
Kommen dir solche oder ähnliche Situationen bekannt vor?
Dann hast du bestimmt eine Behinderung. Du bist vermutlich neurodivers.
Und weil genau dieser Satz vollkommener Quatsch ist, kommt hier eine kleine Aufklärung:
Neurodiversität (z.B. Autismus, ADHS, Legasthenie) ist keine Behinderung, sondern die Art, wie unterschiedliche menschliche Gehirne funktionieren. Hinderlich sind diese besonderen Denk- und Auffassungsweisen nur, wenn die Gesellschaft starre Regeln schafft, die für verschiedene Denkmuster keinen Raum zulassen.
Erwachsene weichen in ihrem Leben unzähligen Stresssituationen gerne aus, weil sie wissen, dass diese Situationen absolute Energieräuber sind. Sie können artikulieren, wenn ihnen etwas nicht gut tut oder können die Situation verändern oder verlassen.
Was aber geschieht mit Kindern, deren Denkmuster nicht neurotypisch ist und die sich täglich durch Situationen quälen müssen, die ihnen die Energie rauben?
– Sie müssen früh morgens in ein Schulzimmer und sofort in den Funktionsmodus switchen (Kaffee gefällig?).
– Sie haben sich einer Kleiderordnung anzupassen, die sie möglicherweise in Stress versetzt.
– Sie bekommen beim Mittagstisch mit den Schulfreunden ein Menu vorgesetzt, das ihnen widersteht (ein braves Kind isst schliesslich alles).
– Die Schulfreunde reden alle durcheinander und die Geräuschkulisse macht das Kind wahnsinnig.
– Beim Bleistift ist dreimal hintereinander der Spitz abgebrochen und die Lehrerin sagt, das sei nicht so schlimm.
– Eine Frage brennt auf der Zunge, aber die Lehrkraft weist darauf hin, dass später Zeit für Fragen ist.
Kinder, deren Denk- und Funktionsmuster nicht mit dem gängigen Schulalltag kompatibel sind, werden oft als „Sonderlinge“ betrachtet. Dies, obwohl sie über individuelle und besondere Stärken verfügen und mit kreativen Denkweisen ganz neue Lösungsansätze bringen können.
Ich durfte einen schulischen Ansatz kennenlernen, der die Sichtweise von einer defizitorientierten medizinischen Betrachtung hin zu einer Anerkennung als Teil der menschlichen Diversität unterstützt und damit neuen Wind in den Schulalltag bringt. Ein grosses PLUS für alle – egal wie die Denkweise des Gehirns aussieht.
Danke Thomas Hofer mit www.kindness-education.com www.schulfachich.com. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Konzept schweizweit „Schule machen würde“!
Ich hab den Frosch geküsst
Was für eine Story!
Achtung kitschig!
Vor kurzem sass doch tatsächlich ein Frosch vor meiner Haustüre. Ich habe ihn fotografiert, auf meinem „whats app Status“ gepostet und es kamen unendlich viele Reaktionen, ich solle ihn küssen, damit ein Prinz daraus werde. Nun, was soll ich sagen: Ich habe es getan – und kaboom:

Da sass er!
Ich hab ihn reingebeten und er hat sich bei mir wohlgefühlt. Und ich fand schön, wieder einen Prinzen im Leben zu haben. Ich rätsle immer noch, ob mein verstorbener Göttergatte mir diesen Frosch geschickt hat …. passen würde es zu ihm. Er macht sich immer mal wieder bemerkbar und schubst mich in die richtige Richtung.
Okay, so würde das Märchen klingen, das mir mein verstorbener Mann gewünscht hat. De facto ist es dann doch nicht ganz so einfach.
Der Frosch (äh, sorry … Prinz natürlich) ist nicht ganz so einfach in mein Herz gehüpft. Es hat etwas länger gedauert, hat stundenlange Kennenlerngespräche, Nachtessen, Spaziergänge und Ausflüge gedauert. Und auf einmal wurde mir klar, dass neben dem grössten Platz in meinem Herzen, der immer meinem Göttergatten gehören wird, auch noch Platz für einen Prinzen ist. Und auf wundersame und verständnisvolle Weise erhebt dieser Prinz NULL Anspruch auf den Platz meines Göttergatten. Im Gegenteil: Er findet es wunderbar, dass ich diese eine grosse Liebe im Leben haben durfte und möchte auch nicht, dass die jemals verloren geht.
Doch dann kamen bei mir all die Zweifel und Fragen, die man sich in meiner Situation und in meinem Alter stellt:
Ist es nicht noch zu früh dafür?
Was könnten die Leute sagen?
Darf ich überhaupt wieder einen Mann mehr als nur gern haben?
Was würde mein Mann dazu sagen?
Was sagt meine Familie?
Die Antworten waren aber ganz schnell klar:
Es ist nie zu früh und nie zu spät – es passt, wenn es eben gerade passt.
Was die Leute sagen, geht mir am Allerwertesten vorbei – die stehen schliesslich nicht in meinen Schuhen.
Ja, ich darf einen Mann in mein Leben lassen, wenn ich das möchte.
Mein Mann würde sich tierisch freuen – er hat sich für mich gewünscht, dass ich nicht alleine durchs Leben gehen muss.
Meine Familie findet, dass wenn es mir gut geht, es ihnen auch gut geht – und ich das Recht habe, weiterzuleben und glücklich zu sein.
Und so hat sich nun dieser Prinz so ein kleines bisschen in mein Herz geschlichen.
Inzwischen weiss ich, dass Trauer und neue Glücksgefühle sich nicht im Weg stehen – beides hat Platz und der Prinz tröstet mich sogar in meiner Trauer.
Ja wie jetzt? Ist das jetzt die ultimativ endlose und grosse Liebe für den Rest des Lebens?
Leute – ich habe keine Ahnung. Wisst ihr, was morgen sein wird? Ich weiss es nicht – und ich habe es nie gewusst. Ich habe gelernt, im Hier und Jetzt zu leben und dankbar anzunehmen, wenn das Leben mir etwas Gutes schickt. Ob es für immer sein wird, wissen nur die Götter. Aber gerade fühlt es sich wunderbar an und ich geniesse es, dass da wieder jemand ist, der sich auf mich freut und auf den ich mich freue kann.
Selbst wenn es morgen anders sein sollte – seit einer Weile schaue ich immer mal wieder nach oben zur Venus und sage leise:
„Danke Mick, ich weiss, dass Du die Finger im Spiel hast und alles dafür tust, dass es mir hier unten gut geht.“
… wie es Menschen gibt.
Wann ist Trauer richtig?
Wann ist Trauer fertig?
Wie sollte Trauer aussehen?
Was darf man?
Was darf man nicht?
Was gehört sich?
Was gehört sich nicht?
Es gibt zum Thema Trauer in etwa so viele verschiedene Meinungen, wie es Menschen gibt. Und gleich vorne weg: Es gibt keine Patentlösung für die Trauer. Sie ist für jeden einzelnen Menschen anders.
Jede Geschichte, die Trauer nach sich zieht, hat eine andere Ausgangslage. Manche trauern um einen Menschen, dessen Tod absehbar und zu erwarten war. Andere trauern um jemanden, der bei einem Unfall oder ohne Vorwarnung gehen musste. Wieder andere haben die Tatsache, dass der Tod anklopfen wird, solange wie möglich von sich weggeschoben. Und noch einmal andere können selbst nach dem Tod nicht akzeptieren, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist.
Zu Beginn erfahren Trauernde sehr viel Verständnis und Empathie. Nach einer gewissen Zeit geht das Verständnis oft in Erwartungen über, die nicht jeder Mensch gleich schnell erfüllen kann oder will. Es gibt kein Ablaufdatum für die Trauer. Und es gibt erst recht kein Regeln, die vorgeben, was man nun wie schnell zu bewältigen hat.
In meinem Praxisalltag erlebe ich immer wieder, dass auch zwischen Männern und Frauen offenbar in Sachen Trauer ein grosser Unterschied gemacht wird. Verliert ein Mann seine Frau, so ist das Umfeld sehr darauf bedacht, diesen Mann zu umsorgen oder sogar dafür zu sorgen, dass er nicht allzu lange alleine bleibt. Der Arme könnte sich ja im Haushalt verlieren (und das ist mit einem grossen Augenzwinkern gemeint)!
Verliert eine Frau ihren Mann, so ist nach wie vor für einen Grossteil der Gesellschaft offenbar klar, dass diese Frau nun alleine durchs Leben gehen wird. Wenn nicht, dann kann sie doch ihren Mann unmöglich geliebt haben. Und Frauen kommen schliesslich gut alleine klar (auch hier das Augenzwinkern nicht vergessen)!
Was für ein absoluter Blödsinn und welch ein Glück, dass wir aktuell mit grossen Schritten in eine fortschrittlichere Trauerkultur unterwegs sind.
Trauer beginnt nicht erst am Tag des Todes, wenn man sich aktiv damit befasst. Sie beginnt sehr viel früher. Das kann am Tag einer Diagnose sein, mit zunehmendem Alter oder mit schwindendem Denk- oder Bewegungsvermögen.
Gäbe es DEN Trauerknigge, so stünde da heute bestimmt drin:
Bunt ist genauso erlaubt wie schwarz – jeder wie er möchte.
Lachen hat immer Platz, selbst wenn gleichzeitig die Tränen laufen.
Humor hat auch in der Trauer seine Berechtigung.
Trauer und neue Glücksgefühle schliessen sich nicht aus.
Alles darf, nichts muss.
Zudem kann Trauer nicht nur im Zusammenhang mit dem Tod zuschlagen. Sie kann dies genauso bei einer Kündigung, einer Scheidung, einem Heimatwechsel oder einem herben Rückschlag im Leben tun. Wir trauern im Leben immer mal wieder – manche mehr, manche weniger. Aber wenn man sich dessen bewusst ist, dann wird der Weg einfacher.
Der Tag, an dem ich
. an alle denke, die gegen das fiese Krabbenvieh kämpfen
. allen einen Gruss ins Jenseits sende, die das Vieh mitgenommen haben
. allen danke sage, die sich stark machen in allen Belangen gegen Krebs
. allen viel Kraft schicke, die an der Seite von Betroffenen kämpfen.
Ich dachte ja bis vor 10 Jahren, dass Krebs nur etwas für die anderen ist.
Mein Göttergatte dachte das im übrigen auch!
Und dann hat es ihn getroffen – und damit die ganze Familie.
Palliativ! Ab Tag eins .
Und der Marathon auf dem Onkoplaneten begann .
Ein Leben, das von jetzt auf gleich ein vollkommen anderes ist und in dem man sich zuerst einmal zurechtfinden muss.
Weil ich oft froh gewesen wäre, ich hätte jemanden an der Seite gehabt, der all das schon durchlebt hat, habe ich mich in alle Richtungen eingelesen, weitergebildet und selbständig gemacht.
Und heute stehe ich jenen bei, die selber an Krebs erkrankt sind oder jemanden begleiten, der sich mit dem ungebetenen Untermieter arrangieren muss.
Gemeinsam stark!
http://www.ankerzeit.ch
Meine Güte, was bin ich doch froh, es in den Februar geschafft zu haben. Der Januar hat mir in diesem Jahr doch sehr zugesetzt.
Klar, da gab es wohl das Highlight mit Lappland. Aber sonst war dieser Monat echt zum Vergessen.
Das Januarloch hat sich bei mir in der Seele breit gemacht. Warum?
- Nebel, Nebel, nichts als Nebel
- das erste mal, dass ich alle schlimmen Tage vor dem Todestag meines Göttergatten noch einmal durchlebt habe
- der erste Todestag
- unglaublich viele Besuche im Tal der Tränen
- Anpflanzung eines eigenen Lauchgartens, soviel wie ich gefühlsmässig im Lauch gestanden habe
- für mich unbekannte Unsicherheit bei Entscheidungen
- montags gings nach rechts, dienstags nach links, mittwochs wurde alles in Frage gestellt, donnerstags zurück auf Feld eins um freitags wieder alles in Frage zu stellen um samstags dann ins Wochenendloch zu fallen.
So, und nun schaue ich zurück und sage „tschüss Januar“ – Du wirst nie mehr mein Lieblingsmonat sein. Es sind zu viele harte Erinnerungen damit verbunden!
Der Februar ist für mich zwar immer noch viel zu dunkel und grau – aber er hat mindestens einen Aussichtspunkt auf den Frühling. Auch wenn die Schweiz nun auf den Brettern steht und die weissen Abhänge runter düst – für mich ist jedes Vogelzwitschern ein Hinweis dafür, dass die beiden schwierigen Monate Dezember und Januar überstanden sind.
Ich habe am Wochenende sogar den Poolreiniger in den Pool geschmissen. So nach dem Motto: „Die Saison ist nicht mehr so weit weg!“ Und ich kaufe nur noch T-Shirts und Sommerkleider – ich habs gesehen, mit dem Winter. Ich habe die leise Hoffnung, dass sich das Wetter ob meinem stillen Protest beugt und den Frühling etwas früher schickt.
Und ich habe ein neues Jahresziel: Ich möchte Ende Jahr zu den Elefanten nach Südafrika. Das Projekt steht und die Planung läuft.
Das wäre dann der letzte Punkt auf meiner Bucketlist, hinter den ich einen Haken setzen möchte. Alles was dann noch auf mich zukommt, ist „nice to have“, aber kein MUSS mehr. Wenn ich eines gelernt habe in den letzten 10 Jahren, dann ist es, dass man nichts verschieben sollte, was einem sehr wichtig ist. Es könnte nämlich auf einmal zu spät sein.
In diesem Sinn: Auf in den Februar!